Ge­schich­te und Ge­gen­wart des pri­va­ten Ret­tungs­dienst in Deutsch­land

So­wohl der Ret­tungs­dienst als auch der Kran­ken­trans­port bli­cken in Deutsch­land auf ei­ne lan­ge Ge­schich­te zu­rück, die aber vie­len Mit­bür­gern so nicht be­kannt ist. Lan­ge Zeit, be­vor si­ch Sanitäts- und Hilfs­diens­te dem Trans­port von Kran­ken und Ver­letz­ten wid­me­ten, wa­ren be­reits pri­va­te An­bie­ter in die­sem Be­reich der Dienst­leis­tung tä­tig. In der zwei­ten Hälf­te des letz­ten Jahr­hun­derts wur­de in ver­schie­de­nen länd­li­chen Re­gio­nen, aber auch in Groß­städ­ten, z.B. in Ber­lin, der ge­sam­te Kran­ken­trans­port von pri­va­ten Un­ter­neh­men durch­ge­führt. Um die Jahr­hun­dert­wen­de vom 19. zum 20. Jahr­hun­dert ver­füg­te ein ge­werb­li­cher An­bie­ter in Ber­lin be­reits über ei­nen mo­der­ni­sier­ten Fuhr­park von 30 Fahr­zeu­gen mit Spe­zi­al­ein­rich­tun­gen zum Be­för­dern von Kran­ken und Ver­letz­ten.

Auch in der Fol­ge­zeit konn­ten si­ch vie­le pri­va­te Un­ter­neh­mer in die­sem Be­reich eta­blie­ren. Die so ge­wach­se­nen und be­stehen­den Struk­tu­ren wur­den letzt­end­li­ch durch „Füh­rer­er­lass” vom 10. No­vem­ber 1942 und Ver­ord­nung vom 10. Ja­nu­ar 1943 zer­schla­gen. Al­le Hilfs- und Sa­ni­täts­or­ga­ni­sa­tio­nen mit Aus­nah­me des Deut­schen Ro­ten Kreu­zes wa­ren nach 1933 ver­bo­ten wor­den, nun wur­de der Kran­ken­trans­port aus­schließ­li­ch in die Hän­de des DRK ge­legt. Er­klär­ten si­ch pri­va­te An­bie­ter nicht be­reit, un­ter dem Ro­ten Kreuz zu ar­bei­ten, muß­ten sie Ver­trä­ge ein­ge­hen, nach de­nen sie nicht nur ihr Dienst­leis­tungs­an­ge­bot, son­dern auch ih­re Fahr­zeu­ge und Aus­rüs­tun­gen zu ei­nem staat­li­ch fest­ge­leg­ten Preis zu ver­kau­fen hat­ten.

Nach En­de des „Drit­ten Rei­ches“ blieb in den Län­dern der ehe­ma­li­gen DDR der Kran­ken­trans­port und Ret­tungs­dienst Mo­no­pol­auf­ga­be des DRK. Dort konn­ten si­ch er­st nach der Wen­de pri­va­te Un­ter­neh­men auch im Kran­ken­trans­port und Ret­tungs­dienst be­tä­ti­gen und da­mit ak­tiv am ge­sell­schaft­li­chen Um­bau und der wirt­schaft­li­chen Neu­ge­stal­tung mit­wir­ken. In den al­ten Bun­des­län­dern wur­den zwar be­reits 1945 wie­der Ge­neh­mi­gun­gen der Mi­li­tär­be­hör­den zur Durch­füh­rung von Kran­ken­trans­port er­teilt, al­ler­dings in Süd­deutsch­land aus­schließ­li­ch an das DRK und in Nord­deutsch­land aus­schließ­li­ch an die Feu­er­wehr. Spä­ter wur­den die­se Ge­neh­mi­gun­gen auch auf die an­de­ren Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen aus­ge­wei­tet. Pri­va­ten An­bie­tern ge­lang es je­doch nicht, die schon be­stehen­den, künst­li­ch ge­schaf­fe­nen Struk­tu­ren ent­schei­dend zu ver­än­dern. Bis heu­te kann da­her kei­nes­falls von ei­ner Gleich­be­hand­lung al­ler Dienst­leis­tungs­an­bie­ter in den Be­rei­chen Kran­ken­trans­port und Ret­tungs­dienst ge­spro­chen wer­den.

In den 70er Jah­ren wan­del­ten si­ch Kran­ken­trans­port und Ret­tungs­dienst ent­schei­dend. Wäh­rend frü­her der schnel­le Trans­port in die Kli­nik im Vor­der­grund stand, setz­te si­ch nun die not­fall­me­di­zi­ni­sche Ver­sor­gung di­rekt am Ort des Ge­sche­hens als wich­tigs­te Auf­ga­be der Ret­tung im­mer mehr durch. Auf­grund straf­fer Ent­schei­dungs­struk­tu­ren ist es pri­va­ten Un­ter­neh­men im Ret­tungs­dienst im­mer ge­lun­gen, die­se Neue­run­gen so­fort um­zu­set­zen. Schlag­kraft und Ef­fi­zi­enz des Ret­tungs­diens­tes wur­den ent­schei­dend ver­bes­sert.

Durch die Aus­glie­de­rung von Kran­ken­trans­port und Ret­tungs­dienst aus dem Bun­des­per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz und die Er­rich­tung von 16 Lan­des­ret­tungs­dienst­ge­set­zen er­gab si­ch ei­ne dras­ti­sche Ver­schlech­te­rung der Start­chan­cen für pri­va­te Un­ter­neh­mer, ob­wohl si­ch der Bund nur un­ter der Prä­mis­se aus die­ser Ge­setz­ge­bung zu­rück­ge­zo­gen hat, daß es hier­durch zu kei­ner­lei Be­hin­de­rung des frei­en Wett­be­werbs und da­mit der „Pri­va­ten“ in den Lan­des­ret­tungs­dienst­ge­set­zen kommt.

Die Rea­li­tät sieht lei­der an­ders aus. Die Ret­tungs­dienst­ge­set­ze sind ein schö­nes Bei­spiel für ana­chro­nis­ti­sche Plan­wirt­schaft, die mit Steue­rungs­in­stru­men­ten wie Bud­gets für Vor­hal­te­leis­tun­gen und theo­re­ti­sch er­rech­ne­ten Be­darfs­plä­nen ope­riert. Hier gibt es kei­ner­lei An­reiz zum Aus­schöp­fen von Wirt­schaft­lich­keits­re­ser­ven. Zu­sätz­li­ch muß der Steu­er­zah­ler bei Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und Feu­er­wehr lan­des­weit nicht un­er­heb­li­che Sub­ven­tio­nen für Er­rich­tung und Be­trieb von Ret­tungs­wa­chen oder Ret­tungs­leit­stel­len auf­brin­gen.

Der Be­richt ei­nes mu­ti­gen Fern­seh­jour­na­lis­ten über die ver­krus­te­ten Struk­tu­ren ei­ni­ger Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen und über die kos­ten­güns­ti­gen Kon­zep­te der pri­va­ten Leis­tungs­an­bie­ter führ­te er­s­te ge­werb­li­che Ret­tungs­diens­te zu­sam­men. Im Jah­re 1985 bil­de­ten die­se Un­ter­neh­men den ers­ten und ein­zi­gen bun­des­weit agie­ren­den Ver­band, den Bun­des­ver­band ei­gen­stän­di­ger Krankentransport- und Sa­ni­täts­hilfs­diens­te e.V., der si­ch spä­ter in BKS - Bun­des­ver­band ei­gen­stän­di­ger Ret­tungs­diens­te e.V. um­be­nann­te.

Heu­te ist der BKS ein Spit­zen­ver­band auf Bun­des­ebe­ne und er re­prä­sen­tiert Un­ter­neh­mer und sons­ti­ge Dienst­leis­tungs­an­bie­ter in den Be­rei­chen Ret­tungs­dienst, qua­li­fi­zier­te Kran­ken­be­för­de­rung, not­ärzt­li­cher Ver­sor­gung so­wie art­ver­wand­ter Dienst­leis­tun­gen. In vie­len Bun­des­län­dern hat der BKS Sitz und Stim­me in den für den Ret­tungs­dienst und den Ka­ta­stro­phen­schutz zu­stän­di­gen Lan­des­aus­schüs­sen und be­tei­ligt si­ch ak­tiv an Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren. Auf Bun­des­ebe­ne konn­ten die ei­gen­stän­di­gen Ret­ter ih­re Kom­pe­tenz in der Kon­zer­tier­ten Ak­ti­on im Ge­sund­heits­we­sen ein­brin­gen und sind Mit­glied der Stän­di­gen Kon­fe­renz für den Ret­tungs­dienst.

Der Ver­band wird vom Prä­si­di­um re­prä­sen­tiert und hat Lan­des­be­auf­trag­te in al­len Bun­des­län­dern.

Für die in­halt­li­che Ver­bands­ar­beit sind Ar­beits­ge­mein­schaf­ten zu­stän­dig, bei­spiel­haft sei­en hier die Ar­beits­ge­mein­schaf­ten für Qua­li­täts­si­che­rung und für Aus- und Fort­bil­dung ge­nannt.

Der BKS ver­tritt die Mei­nung, daß mit ei­ner kla­ren Re­ge­lung der Kran­ken­be­för­de­rung und der Not­fall­ret­tung als un­ab­ding­ba­rem Be­stand­teil von Ge­fah­ren­ab­wehr und Da­seins­vor­sor­ge al­lein nach qua­li­ta­ti­ven Ge­sichts­punk­ten und mit ei­ner De­re­gu­lie­rung des Zu­gangs zu die­sen Dienst­leis­tun­gen ein sehr gro­ßes Ein­spar­po­ten­ti­al frei­ge­setzt wer­den könn­te. Mo­no­po­lis­ti­sche Struk­tu­ren ha­ben in ei­ner frei­en Markt­wirt­schaft kei­nen Platz mehr. Der Staat be­dient si­ch auch in an­de­ren, durch­aus si­cher­heits­re­le­van­ten Be­rei­chen so z.B. der Flug­si­che­rung und der Atom­ab­fall­ent­sor­gung der Dienst­leis­tung durch „Pri­va­te“.

Pri­va­te Un­ter­neh­men im Kran­ken­trans­port und Ret­tungs­dienst be­wei­sen im täg­li­chen Ein­satz, aber auch bei der Aus­bil­dung von Ret­tungs­as­sis­ten­ten, daß es mög­li­ch ist, qua­li­ta­tiv höchs­te Dienst­leis­tung zu er­brin­gen, oh­ne auf staat­li­che Sub­ven­tio­nen zu­rück­grei­fen zu müs­sen.

Als Ver­bands­zei­chen führt der BKS den „BKS Stern“, ei­nen sechs­strah­li­gen blau­en Stern, in des­sen Mit­te der Aes­ku­lap­stab zu se­hen ist.

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